Patricia Koelle Wie man Schnee macht

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Wie man Schnee macht
© Patricia Koelle

„Papa, warum regnet es, wo es doch so kalt ist?“ Phia sah missmutig hinaus. Die Pfützen im Garten waren zugefroren, aber was da von dem grauen Himmel fiel, war nicht der Schnee, auf den sie schon so lange wartete. Papa hatte den Kamin angezündet, obwohl es noch hell draußen war. Ihm gefiel das ganze nasse Grau auch nicht. Er setzte sich neben Phia auf das Kuschelsofa. „Keine Ahnung“, brummte er.
„Früher gab es immer Schnee vor Weihnachten!“, behauptete Oma Anne und wischte mit einem Tuch an der Scheibe herum, als ob das helfen würde.
Opa Konrad kam gerade mit einem Teller in der Hand aus der Küche, gefolgt von Phias großem Bruder Christian. „Schaut mal, Kati hat gebacken!“ Er verteilte Zimtbrezeln. „Ich weiß, warum es nicht schneit, obwohl das Thermometer sieben Grad minus zeigt!“
„Warum denn, Opa Konny?“ Phia sah erwartungsvoll zu ihm auf. Sie mochte ihren Opa sehr. Er hatte einen wunderschönen weißen Bart und war so höflich zu ihr, als wäre sie erwachsen. Seine Geschichten waren immer spannend. Leider kam er immer nur an Weihnachten zu Besuch und früher hatte sie sogar mal gedacht, er wäre der Weihnachtsmann. Aber jetzt war sie ja schon sieben und wusste, dass der Weihnachtsmann bestimmt nicht über teures Benzin schimpft.
„Der Himmel ist zu sauber!“, sagte Opa Konny und sah triumphierend in die Runde. „Ich hab’s im Radio gehört. Ihr wisst doch, dass Schneeflocken kleine Kristalle sind, die bei Kälte entstehen. Deshalb sehen sie aus wie wunderschöne kleine Sterne, wenn man ganz genau hinsieht.“
„Ja, und warum kommen dann die Kristalle nun nicht, wo es doch so kalt ist?“
„Die Kristalle können nur wachsen, wenn sie sich an etwas festhalten können. Jede Schneeflocke braucht einen winzig kleinen Kern, ein Staubkorn, damit sie entstehen kann. Tja, und wenn kein Staub im Himmel ist, dann gibt es eben keinen Schnee.“
„Wahrscheinlich hat Kati da oben auch noch staubgewischt“, bemerkte Papa, dem es manchmal auf die Nerven ging, wenn Phias Mama vor Weihnachten die ganze Wohnung blitzblank putzte. Er konnte das Geräusch vom Staubsauger überhaupt nicht leiden.
„Und wie kriegen wir jetzt Staub in den Himmel?“, wollte Phia von Opa Konny wissen. Der wusste doch immer alles.
„Wir könnten in die Stadt ziehen, da ist der Himmel immer schmutzig von den ganzen Autos und Fabriken“, schlug Christian eifrig vor. „Hier auf dem Dorf ist eh nichts los.“
„Ach lass mal, Junge“, sagte Oma Anne schnell, „davon bekommt man bloß Husten und schlechte Laune.“
„Die schlechte Laune haben wir ja schon“, meinte Christian. „Nicht mal Schlitten fahren kann man. Ist doch langweilig hier.“
„Iss eine Zimtbrezel, das hilft“, schmunzelte Mama, die sich mit dampfenden Kakaobechern zu ihnen gesellt hatte. „Kann man da nicht was machen wegen dem Staub und dem Schnee?“
„Wir könnten deinen Staubsauger auf den Mond schießen, vielleicht verliert er unterwegs genug Staub“, schlug Papa vor. Er klang grummelig, aber Phia sah, dass er Mama zuzwinkerte.
Opa Konny räusperte sich und ging zum Fenster. Nachdenklich spähte er in den Regen. Phia setzte sich gerade. Wenn Opa Konny diesen geheimnisvollen Blick bekam, dann wurde es immer interessant. „Doch, da kann man bestimmt was machen“, verkündete er und öffnete das Fenster. Er fuhr mit dem Zeigefinger auf dem Fensterbrett und in den Ecken herum.
„Auf meinen Fensterbrettern liegt kein Staub!“, verkündete Mama stolz.
„Oh doch, zum Glück!“, widersprach Opa Konny und hielt seinen grauen Finger hoch.
„Woher kommt Staub eigentlich?“, wollte Phia wissen.



… wie diese bezaubernde Weihnachtsgeschichte weitergeht und ob es tatsächlich weiße Weihnachten geben wird, erfährst Du demnächst in der Fortsetzung …



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Diese Geschichte wurde veröffentlicht in dem Buch / eBook


Weihnachten
Weihnachten
Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte

Hrsg. Ronald Henss
Illustrationen Hilde Bergmann
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-09-8 (Buch)
ISBN 978-3-939937-72-2 (eBook epub-Format)

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