Weihnachtsgeschichte Sabine Ludwigs Das Weihnachtskarussell

November 10, 2009

Weihnachten – Advent – Weihnachtsgeschichte – Adventsgeschichte – Sabine Ludwigs: Das Weihnachtskarussell

Weihnachten Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte

Das Weihnachtskarussell
© Sabine Ludwigs


An einem Abend im Dezember schneite es dicke Flocken. Bald war alles mit Schnee überzogen, auch die Holzbuden und die Dächer über den Fahrgeschäften auf dem Weihnachtsmarkt. Es sah gleich ein bisschen mehr nach Weihnachten aus und die Leute freuten sich über das weiße Gewimmel.
Das altertümliche Holzkarussell stand im hintersten Winkel des Weihnachtsmarktes und wurde von einem großen, hell erleuchteten Tannenbaum fast verdeckt.
Die meisten Menschen eilten daran vorbei, ohne einen Blick darauf zu werfen. Sie wollten lieber zu den modernen Fahrgeschäften, den Verkaufsständen und den Essbuden.
Aber das machte dem alten Mann, dem das Karussell gehörte, nichts aus. Das waren nicht die richtigen Leute für sein Karussell! Er wartete auf ganz besondere Fahrgäste. Liebevoll polierte er mit einem weichen Tuch die bemalten Holzfiguren, die auf den runden Boden montiert waren: ein Hirsch, ein Reh, ein großer und ein kleiner Esel, ein Schlitten, der von einem Rentier gezogen wurde, und zwei Kamele. Mehr Figuren gab es nicht, denn es war kein großes Karussell.
„Das ist schön! Wie im Märchen“, sagte plötzlich eine Stimme hinter ihm.
Der alte Mann lächelte. Da standen drei Mädchen, jedes mit einem roten Zuckerapfel in der Hand, und schauten mit strahlenden Augen auf das Karussell.
„Ja, das stimmt“, antwortete er. „Und es ist ganz außergewöhnlich! Allerdings kann immer nur ein Kind damit fahren, wenn es erleben will, was für ein besonderes Karussell das ist. Man braucht schon ein wenig Mut dazu!“
Das Mädchen mit der blauen Jacke trat einen Schritt vor. „Wetten, ich trau mich?“
„Gut, ich glaube dir. Komm, steige auf und staune, junge Dame“, lud der Alte sie ein.
„Aber ich habe nur noch zwanzig Cent. Was kostet es denn?“, fragte das Mädchen.
„So ein Zufall, genau so viel kostet es!“, erwiderte der Mann. „Wenn du dir ein Tier ausgesucht hast, setzt du dich darauf, rufst ‘Mirakel!’, und schon geht es los.“
Aufgeregt gab sie ihm das Geld und setzte sich, ohne zu zögern, auf den Hirsch.
„Halte dich gut fest, Marie“, rief Anna und Lisa winkte ihr zu.
„Mirakel!“, flüsterte Marie.
Hui, schon begann das Karussell sich zu drehen! Die Freundinnen, die bunten Lichter und der Mann sausten nur so an ihr vorbei, immer schneller und schneller. Marie jubelte. Und noch eine Runde!
Plötzlich begann der Hirsch seinen Kopf zu bewegen und sein Geweih zu schütteln. Er schnaubte und galoppierte, mit ihr auf seinem Rücken, hinauf in den Himmel. Schneller und schneller, durch das Schneegestöber, am großen, silbernen Mond vorbei.
Marie hatte keine Angst. Sie hielt sich am Geweih fest und beschaute sich die Welt von oben. Wie winzig alles da unten war! Bald schon konnte sie die Menschen und Häuser nicht mehr erkennen.
„Hüh!“, rief sie. „Nur weiter, lieber Hirsch!“
Und der Hirsch flog durch das Schneegestöber.
Nach einiger Zeit ging es wieder hinunter zur Erde, direkt auf einen Wald zu. Es dauerte nicht lange, und Marie konnte die ersten verschneiten Bäume erkennen.
Der Hirschbock setzte zur Landung an und trabte mit Marie durch den Winterwald.
Wunderbar war es hier! Der Schnee glitzerte im Mondlicht und jemand hatte ein Tannenbäumchen mit Lichtern geschmückt.
Da stand eine Krippe, gefüllt mit Heu und Kastanien, für die Rehe und Hirsche. Der Förster hatte sie aufgestellt und auch für die Hasen Kohlblätter und Möhren unter einen Schneeschutz gelegt.
Die Tiere sahen Marie furchtlos an.
In den Zweigen des Weihnachtsbaumes hingen Futterringe und Grieben für die Vögel, die zwischen den Ästen umherhüpften. Die Füchse kauten auf ein paar Speckseiten herum. Weihnachtsgaben für die Tiere, damit sie ihren Winterhunger stillen konnten. „Wie mich das freut!“, sagte Marie und konnte sich nicht sattsehen.
Sie kamen an einem Feld mit den ansehnlichsten Tannen vorbei. Daneben stand ein Schild mit der Aufschrift: „Weihnachtsbäume!“
„Hier muss Papa morgen unseren Tannenbaum kaufen“, dachte Marie.
Da erhob der Hirsch sich wieder in die Lüfte und brachte sie wie der Wind zurück zum Karussell.
„Und, wie war es?“, wollte Lisa wissen. „Hat es Spaß gemacht?“

… die Fortsetzung dieser bezaubernden Weihnachtsgeschichte gibt es demnächst …

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit Zustimmung des Verlags.
Die Geschichte wurde veröffentlich in dem Buch

Weihnachten Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte
Weihnachten
Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte
Hrsg. Ronald Henss
Illustrationen Hilde Bergmann
ISBN 978-3-939937-09-8

Weihnachtsgeschichte Marie Juillet Die Heimat der Seele

November 7, 2009

Weihnachten – Advent – Adventsgeschichte – Weihnachtsgeschichte – Marie Juillet: Die Heimat der Seele

Weihnachtsgeschichten Band 2

Die Heimat der Seele
© Marie Juillet


Wie ein dunkler, schwerer Vorhang hatte sich die Nacht über das kleine Dorf Silver Creek ausgebreitet. Hell erleuchtete der Mond das schwarze Himmelszelt und verwandelte das schneebedeckte Tal in eine geheimnisvolle Glitzerlandschaft. Ab und an durchbrach das Geheul eines einsamen Wolfes die nächtliche Stille, während sich die kahlen Baumkronen im kalten Nachtwind hin und her wogen. Die Bewohner von Silver Creek hatten sich bereits vor Stunden in ihre Häuser zurückgezogen und schliefen längst tief und fest.
Doch Jamie konnte nicht schlafen. Wie jede Nacht saß er am Fenster neben dem Herd in der Küche und starrte hinaus in die Dunkelheit. Auch Brian war noch wach und sah hilflos zu seinem Sohn hinüber. Gut sechs Monate war es nun her, dass Jamies Mutter bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen war. Für Brian war in jener Nacht eine Welt zusammengebrochen, doch für Jamie schien die Zeit regelrecht stehen geblieben zu sein. Er konnte einfach nicht begreifen, dass seine Mutter niemals mehr nach Hause kommen würde, und hielt jede Nacht voll unstillbarer Sehnsucht nach ihr Ausschau, während sein Vater ihn aus sicherer Entfernung beobachtete. Nur zu gerne hätte er seinen Sohn herausgeholt aus dieser einsamen Welt, in die er sich immer mehr zurückzog, doch er wusste einfach nicht wie.
Am nächsten Morgen brachte Brian seinen Sohn in die nahegelegene Schule und fuhr dann weiter ins Dorf, um für Jamie ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Aber er hatte keine Ahnung, was er seinem Sohn zu Weihnachten schenken sollte. Was konnte das traurige Herz eines kleinen Jungen, der seine Mutter erst vor wenigen Monaten verloren hatte, schon erfreuen? Missmutig stieg er aus dem Wagen und ging hinüber zu dem kleinen Geschäft auf der anderen Seite der Straße.
Bis auf den alten Sam, einen Indianer vom Stamm der Koyukon-Athabasken, war niemand sonst an diesem Morgen unterwegs. Unauffällig lehnte Sam gegen eine Häuserwand unweit des Ladens, so als würde er auf jemanden warten. Brian hatte sein Ziel noch nicht ganz erreicht, als der Indianer ihn plötzlich ansprach. „Hallo, Brian! Wie geht es dir?“
Brian drehte sich schwerfällig um und nickte Sam höflich zu. „Nun ja, so weit ganz gut“, log er und versuchte, dem Blick des alten Mannes auszuweichen.
Sam seufzte leise und schwieg. Er wusste genau, dass Brians Antwort nicht der Wahrheit entsprach, aber das nahm er ihm nicht übel. Vielmehr entsann er sich eines alten indianischen Sprichwortes, das sich ihm nur wieder einmal bestätigt hatte: Stelle einem Weißen eine Frage und er sagt dir, was du hören willst. Stelle einem Indianer eine Frage und er sagt dir, was du wissen willst. Den Blick geradewegs auf Brian gerichtet, setzte der alte Indianer das Gespräch fort. „Und wie geht es Jamie?“
Brian zuckte zusammen und sah betreten zu Boden. Während er selbst gelernt hatte, seine innersten Gefühle vor anderen Menschen zu verbergen und niemals eine Schwäche einzugestehen, war es bei Jamie ganz offensichtlich, wie schlecht es ihm ging. Der einst so fröhliche Junge war nicht mehr wiederzuerkennen. Seit dem schrecklichen Unfall seiner Mutter lebte er in seiner eigenen Welt und sprach kaum noch ein Wort. Nach einer Weile hob Brian den Kopf und antwortete: „Es geht ihm schlecht. Seit dem Tod seiner Mutter sitzt er jede Nacht stundenlang am Fenster und starrt hinaus. Es ist, als ob er immerzu darauf warten würde, dass Kathryn wieder nach Hause kommt. Aber das wird niemals geschehen, und ich weiß nicht, wie ich ihm das begreiflich machen soll. Gerade jetzt, wo bald Weihnachten ist, scheint es für ihn noch viel schlimmer zu sein.“
Der Indianer verstand nur zu gut, wie schwer es Brian fiel, über die wohl schrecklichste Zeit seines Lebens zu reden. Dennoch setzte er behutsam zu einer weiteren Frage an: „Weißt du schon, was ihr am Weihnachtsabend machen werdet?“



… wie diese Geschichte weitergeht, erfährst du in der nächsten Folge …

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit Zustimmung des Verlags.

Die Geschichte wurde veröffentlicht in dem Buch

Weihnachtsgeschichten Band 2
Weihnachtsgeschichten
Band 2
ISBN 978-3-937937-03-6

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Weihnachtssaga als Fortsetzungsroman

Oktober 18, 2009

Weihnachtsgeschichte – Weihnachtserzählung – Weihnachtsroman – Weihnachtssaga – Antonia Stahn: Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten

Antonia Stahn: Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten

Alle Freunde von langen Weihnachtserzählungen und Fortsetzungsgeschichten können sich freuen.

Auf unserem Blog Adventskalendergeschichten gibt es Antonia Stahns zauberhafte Weihnachtssaga Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten als Fortsetzungsgeschichte.

Hier geht es zum Teil 1 der Weihnachtssaga.


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Antonia Stahn: Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten
Antonia Stahn
Die Reise vom gläsernen Baum
zum blauen Planeten
Eine Weihnachtssaga

ISBN 978-3-93993702-9

Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten ist die Geschichte von Lucas, der seiner kleinen Schwester Laura in der Weihnachtszeit eine lange Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte von der kleinen Seele Paul, die nach einem mehr als tausendjährigen Schlaf zur Erde reist, um die Frau zu suchen, die ihr das irdische Leben schenken wird. Es ist die Geschichte vom Engel Mimir, der seinem Schützling das Leben auf der Erde zeigt. Es ist eine Geschichte von den Menschen, von ihren guten und ihren schlechten Seiten. Es ist eine Geschichte voller Poesie und voller Liebe zum Leben und zu den Menschen.

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Adventsgeschichte für Kinder 1. Dezember

September 26, 2009
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen

Adventskalender zum Lesen und Vorlesen

Eine Adventsgeschichte für Kinder – Geschichte zum 1. Advent – Weihnachtsgeschichte

1. Dezember: Das erste Türchen
© Eva Markert

Niemand würde den blonden Henning und seinen dunkelhaarigen Bruder Martin für Geschwister halten. Sie ähnelten sich überhaupt nicht, und auch sonst waren sie ganz verschieden. Martin aß für sein Leben gern Schokolade, um nur ein Beispiel zu nennen, und Henning nicht. Eins hatten sie jedoch gemeinsam: Sie liebten Adventskalender. Natürlich wünschte sich Martin immer einen mit Schokolade und Henning einen mit Bildern.

Deshalb hingen im Kinderzimmer auch dieses Jahr wieder zwei Kalender. Auf beiden war ein Weihnachtsbaum abgebildet, aber der eine war mit Glitzerzeug verziert und der andere nicht.

„Dein Kalender sieht toll aus“, sagte Martin. „Schade, dass es keine Schokoladenkalender mit Glitzerzeug gibt.“

„Selbst schuld. Wenn du nicht so verfressen wärst, hättest du auch so einen.“

„Was kann ich dafür, dass ich gern Schokolade mag?“ Martin sah aus, als würde er gleich wütend werden.

„Ach komm! Ich wollte dich doch bloß ein bisschen veräppeln! Heute dürfen wir das erste Türchen aufmachen. Ich freu mich schon!“

„Ich auch.“

Damit war der Frieden fürs Erste wieder hergestellt.

Am Abend standen sie vor den Kalendern.

„Darf ich anfangen?“ Ungeduldig hüpfte Martin von einem Bein aufs andere.

„Meinetwegen.“

Normalerweise war es ja gar nicht so einfach, die Türchen aufzukriegen. Aber zu Martins Verwunderung ließ sich das erste ganz leicht öffnen.

An dem Bildchen konnte man erkennen, dass dahinter ein Glückspilz gewesen sein musste. Aber die Vertiefung war bis auf einen winzigen Krümel leer.

Martins Augen füllten sich mit Tränen.

„Vielleicht war von Anfang an keine Schokolade drin?“, überlegte sein großer Bruder.

„Glaub ich nicht. Du hast sie geklaut.“

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Du möchtest wissen, wie es weitergeht?
Die Fortsetzung findest Du in der Adventszeit in diesem Blog. Und Du findest sie schon jetzt in diesem Buch

Eva Markert
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen
Adventskalender zum Lesen und Vorlesen

Mit diesem Buch wird die Adventszeit zu einem besonderen Erlebnis. 24 Kurzgeschichten über Mädchen und Jungen, Eltern, Omas, Engel, den Nikolaus und andere weihnachtliche Gestalten, an denen nicht nur Kinder ihren Spaß haben werden, sondern auch die Erwachsenen, die diese heiteren Geschichten vorlesen.


Kinderkurzgeschichten zur Weihnachtszeit – Kindergeschichten für die Adventszeit – 24 Adventskalendergeschichten – 24 Adventsgeschichten – 24 Weihnachtsgeschichten – 24 Kindergeschichten – Geschichten vom 1. bis zum 24. Dezember – Für jedes Adventskalendertürchen eine Geschichte

Weihnachten – Buchtipp

September 25, 2009

Weihnachten – Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte
Ein Buchtipp – Neuerscheinung 2009

Weihnachten Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte

Weihnachten


Weihnachten
Weihnachtsgeschichten
und Weihnachtsgedichte
Hrsg. Ronald Henss
Illustrationen Hilde Bergmann
2009
ISBN 978-3-939937-09-8

Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte für die ganze Familie. Mal besinnlich, mal heiter. Zum stillen Schmökern oder zum Vorlesen. Mit Scherenschnitten von Hilde Bergmann.

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Weihnachtsgeschichte Als Johanna am Christkind zweifelte

Juli 19, 2009

Zur Einstimmung auf Weihnachten eine kleine Weihnachtsgeschichte von Patricia Koelle.

Als Johanna am Christkind zweifelte
© Patricia Koelle

Immer wenn sie sich an den Sommer kaum noch erinnern konnte, weil in der ersten Schulstunde noch der Morgenstern am Himmel leuchtete und es fast schon wieder dunkel war, wenn sie nach Hause kam, wartete Johanna sehnsüchtig auf den Strohkugeltag.
Das war der Tag, an dem Onkel Richard kam und sofort mit Johanna ins Kinderzimmer geschickt wurde. Die Eltern und Tante Lina machten dann bedeutungsvoll die Tür hinter ihnen zu, und Vater drohte noch mal mit dem Zeigefinger: „Dass ihr mir ja nicht herauskommt, bevor wir es euch sagen! Ihr wisst ja, was dann passiert!“
Ja, das wusste Johanna. Es war der Tag vor dem ersten Advent, der Tag, an dem das Christkind zum ersten Mal kam. Zum zweiten Mal würde es erst an Weihnachten kommen, aber bis dahin war noch viel Zeit. Heute schmückte das Christkind die Zimmer. Es hängte die bunten und die weißen Lichterketten unter die Decke und befestigte große glänzende Sterne an der Wand. Auch Johannas Adventskalender mit den kleinen bunten Päckchen an Messingringen kam an seinen Platz neben der Tür, und es steckte die Kerzen und Tannenzapfen auf einen dicken Adventskranz, der nach Wald roch. Aber dabei durften nur die Erwachsenen zusehen. Wenn das Christkind von einem Kind gesehen wurde, hatte Vater gemahnt, dann würde es nie wiederkommen. Und das durfte natürlich nicht passieren.
Deshalb blieb Johanna im Kinderzimmer und bastelte Strohkugeln mit Onkel Richard. Der konnte wundervolle Kugeln aus den Strohhalmen zaubern. Er schnitt die Halme mit einer gefährlich scharfen Rasierklinge in ganz schmale Streifen, klebte die Streifen zu Ringen zusammen, und schließlich fügte er die Ringe so zusammen, dass zarte Kugeln entstanden. Jede hatte ein anderes Muster. Wenn diese Kugeln dann später am Weihnachtsbaum hingen, drehten sie sich jedes Mal an ihrem Faden, wenn jemand vorbeiging, weil sie so leicht waren. Sie sahen aus wie kleine Weltkugeln, und im Kerzenlicht warfen sie große Schatten an die Wand.
Johannas Finger waren längst nicht so geschickt wie die von Onkel Richard. Ihre Ringe wurden krumm und die Kugeln schief oder eiförmig, und die Klebe landete auf ihrem Ärmel und auf der Tischplatte und dem Teller mit den Plätzchen, nur nicht da, wo sie hingehörte. Aber Onkel Richard hatte viel Geduld, wahrscheinlich weil er ohnehin nicht aus dem Zimmer sollte. Er war zwar erwachsen, aber er musste ja auf Johanna aufpassen. Also zeigte er ihr kleine Tricks, und jedes Jahr wurden Johannas Strohkugeln ein wenig schöner.
Es dauerte sehr lange, solche Kugeln zu machen, denn man musste die Ringe immer wieder festhalten, bis die Klebe trocken war. Trotzdem hatte Onkel Richard mindestens drei Stück fertig, und Johanna eine, bis das Christkind endlich fertig und wieder fort war. Dann durften Johanna und Onkel Richard in das große Wohnzimmer, wo es auf einmal aussah wie im Märchen.
Dieses Jahr schien es noch länger zu dauern als sonst. Die Plätzchen waren schon alle und Onkel Richard hatte bereits fünf Kugeln fertig. Plötzlich ließ Johanna vor Schreck den Ring fallen, den sie gerade erst zusammengeklebt hatte. Ganz deutlich hatte sie gehört, wie auf der anderen Seite der Tür jemand die Leiter gerückt hatte! Sie kannte das Geräusch, denn Mutter brauchte diese Leiter ja immer zum Fensterputzen und Gardinenaufhängen. Die Gummifüße schrammten auf dem Parkett entlang und die Aluminiumsprossen klapperten. Dieses Geräusch konnte man nicht verwechseln.
Da konnte etwas nicht stimmen.

Die vollständige Geschichte findet sich in dem Buch
Patricia Koelle
Der Weihnachtswind
Patricia Koelle: Der Weihnachtswind

Weihnachtsgeschichten – Weihnachtskurzgeschichten – Adventsgeschichten – Adventskurzgeschichten für Kinder und Erwachsene

Weihnachtsgeschichten-Blog

Juli 18, 2009

Dieser Blog wird neu gestaltet.
Wir bitten daher noch um ein wenig Geduld.

Bis dahin ein kleiner Tipp:
Hier gibt es mehrere Hundert Weihnachtsgeschichten online.